Schwierigen Geburten gezielt vorbeugen

Fütterung spezifischer Supplemente unterstützt Abkalbeverlauf

Studien belegen, dass bei Färsen bis zu 20 Prozent und bei Kühen bis zu 10 Prozent Totgeburten auftreten. Prof. Dr. med. vet. Martin Kaske, Universität Zürich, und Gerald Krabbe, Produktmanager der Crystalyx Products GmbH, erläutern mögliche Ursachen und zeigen Lösungen auf.

Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation der Kälberverluste bei der Geburt?

Krabbe: Obwohl der Anteil in den vergangenen Jahren rückläufig war, ist die gegenwärtige Situation weiterhin nicht zufriedenstellend. Klar ist, dass eine hohe Schwergeburtenrate zu einem wirtschaftlichen Verlust durch den entgangenen Erlös für das Kalb führt. Für Mutterkuhbetriebe ist das bereits für das Betriebsergebnis ausschlaggebend. Für Milchviehbetriebe ist es aber viel schwerwiegender, dass eine Kuh nach einer Schwergeburt „vorbelastet“ in die Laktation startet. Folgeerkrankungen und Minderleistungen sind die Folge.

Prof. Dr. med. vet. Martin Kaske, Universität Zürich, beschäftigt sich mit Ursachen von Kälberverlusten nach der Geburt.

Welche Faktoren beeinflussen den Verlauf der Abkalbung?

Kaske: Die wichtigsten Risikofaktoren für eine Schwergeburt sind seit langem bekannt: eine Überkonditionierung des Muttertieres, eine latente subklinische Hypocalcämie (Milchfieber), ein absolut oder relativ zu großes Kalb, eine unphysiologische Lage, Haltung und Stellung des Kalbes sowie Missbildungen. Eine wesentliche Rolle spielt zudem die Stressbelastung des kalbenden Tieres. Stress führt zu einer erhöhten Konzentration von Stresshormonen wie Cortisol. Dadurch reduziert sich die Fähigkeit verschiedener weißer Blutkörperchen, ihre Aufgaben bei der Immunabwehr zu erfüllen. Das erklärt, warum das Immunsystem von Kühen im Zeitraum um die Abkalbung geschwächt ist.

Warum hat das Immunsystem einen Einfluss auf den Abkalbeverlauf?

Kaske: Es ergeben sich bei der Kuh im geburtsnahen Zeitraum unmittelbare Wechselbeziehungen zwischen Energiehaushalt, Immunsystem und Gleichgewicht der Mineralstoffe – und jeder einzelne dieser Faktoren ist wiederum bedeutsam für die Vorbereitung des Muttertieres auf die Kalbung, den Verlauf der Geburt, den Abgang der Nachgeburt und den – hoffentlich problemlosen – Einstieg in die Laktation. Diese Risikofaktoren lassen sich durch ein optimiertes Management der Transitkuh beeinflussen und teilweise nahezu ausschließen. Die Crystalyx Products GmbH hat eine Studie durchgeführt, in der der Einfluss spezifischer Hefezellwandbestandteile auf das Abkalbeverhalten bei Erstkalbinnen untersucht wurde.

Welche Ergebnisse haben Sie festgestellt?

Krabbe: In der Studie bei der Agrargesellschaft Ruppendorf AG, Klingenberg (Sachsen), wurden 150 tragenden Jungrindern in den letzten sechs Trächtigkeitswochen zwei verschiedene Rezepturen von Crystalyx Trockensteher verabreicht. Während 78 Rinder in der Kontrollgruppe die gewöhnliche Rezeptur von Crystalyx Trockensteher erhielten, wurde 72 Tieren in der Versuchsgruppe eine Crystalyx-Rezeptur mit spezifischen Hefezellwandbestandteilen verabreicht. Die Ergebnisse zeigten bei der mit Hefezellwandbestandteilen supplementierten Versuchsgruppe eine deutliche Reduktion der Geburten, bei denen Geburtshilfe nötig war. Der Anteil ging von 38,5 auf 20,8 Prozent zurück. Die Anzahl der Totgeburten in der Versuchsgruppe konnte sogar halbiert werden.

Welche Bedeutung haben die Ergebnisse für die Praxis?

Kaske: Die Ergebnisse geben einen gewissen Hinweis darauf, dass die Zulage der spezifischen Hefezellwandbestandteile einen Einfluss auf den Verlauf der Kalbung hat – dies umso mehr, als der Betrieb insgesamt sehr gut gemanagt wird und viel Wert auf möglichst gute Haltungs- und Fütterungsbedingungen legt. Für die Praxis heißt das: Im Hinblick auf die Verminderung der Tot- und Schwergeburtenrate ist nicht nur die Optimierung des Geburtsmanagements wichtig, sondern offensichtlich auch die Fütterung bzw. der Einsatz von spezifischen Supplementen.

Infos zu diesem Thema gibt es bei Gerald Krabbe, Telefon 0251 . 682-2137, gerald.krabbe@agravis.de.


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